Finally
Endlich geschafft. In ganzer Pracht und in Farbe hier zu haben. Falls gerade jemand mit der Idee schwanger geht, sich so ein mehrjähriges Projekt (bei mir waren es am Ende rund vier Jahre) anzutun, hier ein paar Weisheiten:
- Geld besorgen. Ich war zwar dank Uni-Anstellung nie in der Situation, neben der Doktorarbeit kellnern zu müssen, aber ich glaube, so ein Nebenjob erschwert dieses Vorhaben ungemein. Lieber am Anfang etwas Zeit auf die Suche nach bezahlten Doktorandenstellen oder Stipendien (z.B. in Graduiertenkollegs) verwenden. Sonst bleibt natürlich immer noch die Möglichkeit, mit Hilfe des betreuenden Profs eigene Projektmittel einzuwerben, zum Beispiel bei der DFG. Für praxisorientierte Projekte lassen sich manchmal auch Firmen finden, die die Arbeit durch eine (Teilzeit-)Anstellung finanzieren.
- Inhaltlich muss man natürlich erstmal ein Thema finden, was oft gar nicht so einfach ist. Idealerweise sollte man eines finden, von dem man denkt, dass man sich die nächsten paar Jahre damit identifizieren kann, das noch nicht umfassend bearbeitet worden ist, und von dem man denkt, dass es auch in drei bis vier Jahren noch relevant ist. Ich würde zum Beispiel im Moment keine Dissertation über Social Networks anfangen – bis die Arbeit fertig ist, dürfte man mit so einem Thema eher gelangweiltes Gähnen auslösen. Ungemein hilfreich bei der Themenfindung: lesen, lesen, lesen. Wer in einem Forschungsprojekt an der Uni angestellt ist, findet dort häufig offene Fragestellungen. Zudem profitiert man in dem Fall natürlich davon, dass man Arbeiten, die man sowieso machen muss, für die eigene Dissertation nutzen kann.
- Keine Angst haben, »zurück auf Los« zu gehen. Ist mir im ersten Jahr auch passiert, dass ich feststellen musste, dass mein Projekt nicht umzusetzen ist. Manchmal muss man eben erst eine Weile darüber nachdenken, bis man feststellt, dass man da eine Schnapsidee gehabt hat. Hierbei hilft ungemein…
- Reden. Und zwar mit möglichst vielen verschieden Leuten, von denen man denkt, sie könnte Ideen oder Anregungen zum Thema haben. Über die eigene Arbeit reden hilft, die eigenen Gedanken zu sortieren und Denkfehler aufzudecken. Gute Möglichkeiten bieten dafür natürlich vor allem Fachkonferenzen – für deren Besuch man aber meist schnell im vierstelligen Eurobereich ist. Das macht Punkt 1 noch wichtiger. Ähnlich hilfreich wie Reden ist das…
- Schreiben. Neben den Publikationen, die ja im Laufe des Doktorandendaseins entstehen sollten, hilft es am Anfang auch ungemein, sein Vorhaben auf einer Seite klar zum schildern. Dieser »One Pager« sorgt dafür, dass man sich detailliert damit auseinandersetzt, was man machen will und vor allen Dingen, was nicht. Der knappe Umfang zwingt einen dazu, Problem und Lösungsansätze auf den Punkt zu bringen.
- Planen. Auch wenn man sich im Endeffekt wahrscheinlich nie an den gerade aktuellen Zeitplan hält, hilft schon allein das Erstellen, sich darüber klar zu werden, was noch alles gemacht werden muss, welche Schritte als nächstes anstehen, und so weiter.
- Wenn es los gehen soll: LaTeX lernen. Falls jemand an Gummi denkt: LaTeX ist eine Sammlung von open source Softwarepaketen für den Textsatz. Ist am Anfang vielleicht etwas ungewohnt und mit etwas Einarbeitung verbunden, schont aber auf Dauer die Nerven und erleichtert das Projektmanagement ungemein. Außerdem sind die PDFs, die man damit produziert, bis in jedes Detail nach allen Regeln der Satzkunst perfektioniert – da können MS Office und Kollegen einpacken.
- Backups, backups, backups. Man sollte das vermutlich nicht immer noch predigen müssen, aber gerade wenn man mit LaTeX arbeitet, gibt es eine sehr elegante Möglichkeit, seine Arbeit vor dem Super-GAU zu sichern. Da man nur mit Plaintext-Dateien arbeitet, drängt sich die Nutzung des Versionierungssystems SVN geradezu auf. Der Vorteil liegt darin, dass – ähnlich wie bei Apples Time Machine – nicht nur die aktuelle Version gesichert wird, sondern inkrementell alle Änderungen gesichert werden. Stellt man dann zum Beispiel fest, dass man ein Kapitel in einer Nachtschicht nur »verschlimmbessert« hat und die vorige Version viel besser war, kann man leicht zurückspringen. Anders als bei Time Machine hat die Nutzung eines entfernten Servers natürlich auch den Vorteil, dass die Arbeit auch dann nicht futsch ist, wenn mal zu Hause der Blitz einschlagen oder die Bude abbrennen sollte (ja, man wird etwas paranoid, wenn man soviel Arbeit in so ein Werk investiert hat). Eher technisch ausgerichtete Institute haben in den meisten Fällen selbst SVN-Server, die man nutzen kann. Sonst gibt es Dienste wie Beanstalk, die das kostenlos oder gegen ein paar Euro anbieten.
Am Ende so eines Projektes rotiert man natürlich ordentlich, keine Frage. Nachtschichten galore. Dennoch würde ich es vermutlich wieder machen. Aber da spielen natürlich auch Faktoren wie ein gutes Umfeld, hilfreiche und motivierte Betreuer, und ein gut ausgestattetes Institut eine Rolle. Wenn diese Dinge stimmen, kann einem dieses Projekt eine Menge bringen.
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