Save the Vinyl, Buy MP3
Die aktuellen Unruhen in England sind wohl das, was passiert, wenn die soziale Schere immer weiter auseinandergeht und durch den berühmten Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht wird. Auch wenn die Frustration und Perspektivlosigkeit dieser Jugendlichen sich zwangsläufig irgendwo entladen muss, darf das natürlich keine Rechtfertigung für die Gewalt sein, die im Londoner Stadtteil Tottenham aufgeflammt ist und seitdem auf immer mehr englische Städte Übergreift.
Zumal die Zerstörung und Plünderungen meist unschuldige trifft. Wie bereits in der Nacht zu Dienstag das Lager von Sony und – für die Freunde etwas gediegenerer Musik viel tragischer – des englischen Ablegers des Indie-Vertriebs PIAS. Das Lager in Enfield, Nord London, wurde komplett zerstört, nachdem die Randalierer dort Feuer gelegt hatten. Der komplette Backstock an physikalischen Tonträgern der Labels, die über PIAS vertrieben werden, wurde zerstört. Viele dieser Labels, die sowieso permanent am Limit der Wirtschaftlichkeit überleben müssen, dürften nun vor dem Bankrott stehen.
Ich weiß nicht, in wie weit die Schäden durch Versicherungen abgedeckt sind – aber selbst wenn das der Fall ist, dürfte es eine Weile dauern, bis die entsprechenden Zahlungen bei den Labels ankommen. Kurzfristige Hilfe schafft da hoffentlich eine Aktion von Boomkat. Unser Lieblingsonlineshop hat eine eigene Seite mit allen Releases der betroffenen Labels zusammengestellt. Es schadet sicher nicht, dort mal bei Gelegenheit durchzuscrollen und den ein oder anderen Track in den virtuellen Warenkorb zulegen. Vielleicht kann so der Verlust aus der Zerstörung der physikalischen Tonträger zumindest ein Stück weit durch den Verkauf von MP3s ausgeglichen werden.
Die Liste der an PIAS angeschlossenen Labels habe ich hier noch mal vom Quietus rüberkopiert:
1234, 2020 Vision, Accidental, Ad Altiora, Adventures Close to home, Alberts, All City, Alt Delete, Ambush Reality, Angular, Ark, ATC, Atic, Atlantic Jaxx, Azuli, B Unique, Backyard, Bad Sneakers, Bandstock, Beggars, Big Chill, Big Dada, Big Life / Nul / Sindy Stroker, Boombox, Border Community, Boysnoize, Brille, Bronzerat, Brownswood, Buzzin Fly, Can You Feel It, Catskills, ChannelFly, Chemikal Underground, City Rockers, Counter, D Cypher Dance To The Radio, Deceptive, Def Jux, Dirtee Stank, Divine Comedy, Domino, Drag City, Drive Thru, Drowned in Sound, Duophonic, Eat Sleep / Sorepoint, Electric Toaster, Emfire, F. Comm, Fabric, Faith And Hope, Fantastic Plastic, Fargo, FatCat Feraltone, Finders Keepers / Twisted Nerve, Fingerlickin’, Flock Free Range, From The Basement, Full Time Hobby, Goldsoul, Gronland, Groove Attack, Halftime, Hassle, Heron, Hum&Haw, Independiente, Info UK, Join Us, Kartel, Kensaltown, Kitsune, Kompakt, Laughing Stock, Leftroom, Lex, Lo Max, Loose, Love Box, Lowlife, Lucky Number, Marquis Cha Cha, Memphis Industry, Merok, Metroline, Mute, Naïve, Nation, Navigator, New World, Ninja Tune, Nuclear Blast, One Little Indian, Output / People in the Sky /, Process, Pale Blue, Palm, Peacefrog, PIAS Recordings, PIP 555, Productions, Play To Work, Powerhouse (T2), Propaganda / Ho Hum, Raw Canvas, Red Grape, Red Telephone Box, Rekids, Renaissance, Respect Productions (PES digital), Reveal Records, RMG, Rock Action, Roots, Rough Trade, Rough Trade Comps, Rubyworks, Ruffa Lane, Search And Destroy, Secret Sundaze, Secretly Canadian / Jagjaguwar / Dead Oceans, Sell Yourself, Setanta, Shatterproof, Sideone Dummy, Slam Dunk, Smalltown, Soma, Something In Construction, Sonar Kollectiv, Soul Jazz, Southern Fried, Stranded Soldier, Subliminal, Sunday Best, TARGO, Taste, Ten Worlds, Thrill Jockey, Total Fitness, Touch And Go, Track And Field, TriTone, Trouble, Try Harder, Turk, Turnstile, Twenty 20, Underworld, Union Square, Urban Torque, Vagrant, Vice, Victory, Wagram, Wall Of Sound, Warp, Wi45, Wonky Atlas, Word And Sound, Xtra Mile, You Are Here
Essentielle Tipps für den angehenden Discjockey
…von einem echten Profi.
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Traurige News

CC-Vadim von Melvin Seaumasé
Traurige News: Bei DJ Vadim wurde eine seltene Form von Krebs diagnostiziert. Wie seine Frau und Mitstreiterin am Mirko, Yarah Bravo auf ihrem MySpace-Blog schreibt, wurde der russische DJ und Produzent bereits am Freitag operiert.
Bleibt einem wohl nur, ihm zu wünschen, dass er die Geschichte gut übersteht und schnell wieder fit wird.
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Hartz IV
Sub, Chrispee und all die anderen: wir sind arbeitslos. Unseren Job wird demnächst die International Dance Party übernehmen:
Bevor ich zum Amt gehe und Hartz IV beantrage gönne ich mir aber auf jeden Fall noch die Junior IDP.
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Planlos
Ich habe von Musik keinen Plan. Das hat mir nicht nur gestern wieder mal beim Auflegen jemand attestiert (»das sagt dir jemand, der Ahnung hat!«), sondern das Gefühl beschleicht mich auch, wenn ich mir die Top 100 DJs für das Jahr 2007 anschaue. Gewählt wurden die von den Lesern des britischen DJ Mags, und von bestimmt der Hälfte der dort gelisteten Typen habe ich noch nie in meinem Leben was gehört.
Dass auf der Insel die Musikzsene etwas anders tickt, ist ja bekannt (wie bei uns übrigens ab morgen auch wieder die Uhren). Allerdings hatte ich das bislang immer positiv gesehen, mit den wahnsinnigen Drum’n'Bass, Broken Beats und Dubstep Szenen, die es so eben nur dort gibt und die alle paar Jahre neue faszinierende Musikrichtungen aus der Taufe heben. Die Protagonisten dieser Szenen sucht man unter den Top 100 DJs allerdings vergeblich, dafür regiert Großraumtrance und Handbag-House. Hier und da zwar ein Lichtblick wie Villalobos, Holden oder Trentemøller, aber erst auf Plätzen, die eigentlich keinen interessieren.
Irgendwo da draußen scheint es ein Paralleluniversum zu geben mit Clubs, Musik und DJs, von denen wir hier gar nichts ahnen. Aber vielleicht auch gar nichts wissen wollen.
Au weia
Da komme ich gerade mit einem halben Koffer voller Vinyl wieder zuhause an, und was muss ich sehen: Morgen ist Plattenbörse! Können die Veranstalter bitte auch mal an mein gequältes Portemonnaie denken, wenn sie die Termine für die Börsen festlegen?
Drei Tage offline
…und schon kriegt man nichts mehr mit. So musste ich heute einigermaßen schockiert feststellen, dass James Brown bereits am 1. Weihnachtstag im Alter von 73 Jahren an einer Lungenentzündung verstorben ist. Dabei ist 73 heut zu Tage ja eigentlich noch kein Alter.
Der Terrorist von nebenan
Gerade flattert mir die Meldung in den Newsreader, dass in Georgsmarienhütte bei Osnabrück ein Terrorverdächtiger festgenommen wurde. Er soll der Al Kaida angehören und Videobotschaften von Osama Bin Laden im Internet verbreitet haben.
Auch wenn man sich schon im klaren sein muss, dass man wahrscheinlich nirgends wirklich sicher ist – damit hatte ich irgendwie nicht gerechnet. Ausgerechnet das kleine Kaff, wo ich jahrelang zur Schule gegangen bin und immer noch viele Freunde und Bekannte habe. Berlin, München, Hamburg, Köln – okay. Aber Georgsmarienhütte? Das hinterlässt definitiv ein mulmiges Gefühl.
Mehr dazu bei der Neuen Osnabrücker Zeitung.

