Die wichtigen Dinge
Liebe Leute, Streetview ist eine praktische Sache. Ich habe mir zum Beispiel bei der Wohnungssuche für meine Zeit in Kalifornien vor zwei Jahren eine Menge Arbeit gespart, weil ich in den meisten Fällen aus den Wohnungsanzeigen direkt zur praktischen Straßenansicht springen konnte. Viele Angebote flogen dadurch direkt raus, ein Apartment in diesem Häuschen ist es dann geworden. Auch auf sonstigen Reisen hat Streetview mich schon einige Male davor bewahrt, in wenig empfehlenswerten Absteigen oder Gegenden zu landen.
Natürlich kann man paranoide Gegenargumente finden, die ich aber größtenteils als Panikmache empfinde und wirklich nicht mehr hören kann. Da sind nur Dinge zu sehen, die sowieso jeder sehen kann – und bei denen es in Deutschland zum Glück völlig legal ist, sie zu fotografieren. Obendrein werden die Bilder bei der Veröffentlichung schon ziemlich alt sein (die Befahrungen in Berlin waren, wenn ich mich recht erinnere, schon vor zwei Jahren), eine regelmäßige Aktualisierung ist laut Google nicht geplant (und wohl auch recht kostspielig, selbst für Googles Geldbeutel). Derweil scheinen in Deutschland nicht wenige Leute zu glauben, man könne jetzt live in ihre Gärten spannen (und der Boulevard lässt die Leute in diesem Glauben). Dass die allermeisten Häuser schon lang online zu sehen sind – inklusive Draufsicht, wie es sie Streetview prinzipbedingt nicht geben kann – scheint dabei niemanden zu interessieren. Hier könnte man uns zum Beispiel prima auf den Balkon gucken, wenn die Bilder aktuell wären. Der Balkon wurde nämlich erst letzten Sommer angebracht.
Eigentlich müßig zu erwähnen, dass ausgerechnet diejenigen unter unseren Volksvertretern am lautesten gegen Streetview wettern, die Vorratsdatenspeicherung, Steuer-Identifikationsnummer und ELENA durchgewunken haben.
Bitte, lass das Sommerloch schnell vorbei gehen. Vielleicht merkt dann ja jemand, dass wir eigentlich ganz andere Probleme haben als Fotos von Häuserfronten im Netz.
Open Access
Ich muss hier mal wieder politisch werden, es sei mir vergeben.
Prof. Dr. Roland Reuß verbreitet in der FAZ (die ja scheinbar in letzter Zeit dem Fortschritt in jeder Form den Kampf angesagt hat) ganz großen Unfug über Open Access. Kurz zusammengefasst ist der gute Herr Reuß der Meinung, dass man mit einem (gesetzlich vorgeschriebenen) Zweitverwertungsrecht für wissenschaftliche Publikationen den Wissenschaftlern die Freiheit nehme, nach eigenem Gutdünken über die Publikation ihrer Ergebnisse zu entscheiden.
Jetzt halten Sie sich fest, Prof. Reuß: DAS IST VOLLKOMMEN IN ORDNUNG. Denn: das, was sie (und ich und die allermeisten unserer Kollegen in der öffentlich finanzierten Forschung) da tun, ist aus Steuergeldern finanziert. Jeder Steuerzahler in der Bundesrepublik hat ein kleines Stück von ihren (und meinen) Projektgeldern, Reisemitteln, von unseren Laptops und Gehältern bezahlt. Jetzt erklären Sie diesen Menschen mal bitte, warum sie etwas zu völlig überzogenen Preisen von Wissenschaftsverlagen kaufen müssen, dessen Erstellung sie direkt mitfinanziert haben.
Nebenbei: Wer reich werden will, wird kaum Wissenschaftler werden. Und wer seine Ergebnisse hinter den Paywalls von Verlagen verstecken will, dem ist vielleicht gar nicht so sehr daran gelegen, dass die überhaupt jemand liest.
Dass innerhalb des klassischen Wissenschaftsverlagswesens Open Access keine richtige Fahrt aufnimmt, ist im übrigen kein Wunder. Meinen letzten Zeitschriftenartikel hätte ich auch unter Open Access zur Verfügung stellen können, gegen den kleinen Obolus von 3000 Euro (was einen Großteil der Sachmittel unseres Projektes verbraten hätte). Da stelle ich den Artikel doch lieber als PDF auf meine Website und hoffe darauf, dass meine Leserschaft eine Suchmaschine bedienen kann. Das wird wohl bei den allermeisten Wissenschaftlern, die wahrgenommen werden wollen, als Workaround herhalten bis die (durchaus zahlreichen) verlagsunabhängigen Open Access Journals mehr Fahrt aufnehmen.
Dass Roland Reuß der Hauptinitiator des unsäglichen Heidelberger Appells ist, wundert einen da nicht.
Fast richtig
Ich habe mal das Erscheinen des neuen Erykah Badu Albums (wie immer großartig, doch darum soll es hier nicht gehen) zum Anlass genommen, mir auch endlich mal ihren Klassiker Baduizm auf Vinyl zuzulegen. Fehlte noch im Regal.
Jedenfalls war ich erstmal positiv überrascht, dass dem Vinyl ein Coupon mit MP3-Download-Code beilag. Bei aktuellen Alben ist das ja erfreulicherweise immer öfter der Fall, aber bei einem Album von 1997 hatte ich das nicht unbedingt erwartet. Also auf backtoblackvinyl.com gesurft, über die dieser Service angeboten wird. Gar nicht mal übel aufgemacht, die Seite. Man muss zwar dummerweise erst das Album raussuchen, für das man einen Code hat (anstatt den einfach eingeben zu können), aber sei’s drum.
Das Generve ging danach los: Erstmal fragt die freundliche Website mich nach allen möglichen persönlichen Daten, und ich erkläre mich natürlich gleich einverstanden, mich mit Werbung vollmüllen zu lassen, sonst ist nichts mit Download. Leicht genervt Quatsch in das Formular eingegeben, weiter zum Download. Da dann der nächste unnötige Blödsinn: einzelne Downloadlinks für alle Tracks! Statt das ganze einfach in ein ZIP File zu packen, muss ich 14 mal rumklickern, bis das ganze Album auf der Platte ist. Das war dann irgendwann geschafft, die MP3 sind immerhin in guter Qualität (319 (!) kBit/s VBR). Dann die nächste kleine Enttäuschung: Falsche ID3-Tags (da machen sie mal eben die “Erykah” zur “Eryka”), und von Cover Artwork auch keine Spur.
Sicher alles Kleinigkeiten und für sich genommen eher egal, aber in der Summe doch nervig. Und man verspielt sich mal wieder Sympathiepunkte, die man eigentlich gerade mit dem Download-Code eingesammelt hatte. Schade – ist doch eigentlich gar nicht schwierig, so was vernünftig umzusetzen.
The Afghanistan mission’s low public salience has allowed French and German leaders to disregard popular opposition and steadily increase their troop contributions to the ISAF.
Dazu fällt einem echt nichts mehr ein.
Stoppschilder
Einige werden jetzt gähnend weiterklicken, aber das ist okay. Wenn ich durch diesen Post noch ein, zwei Leute davon überzeugen kann, dass Internetsperren gegen die Verbreitung von Kinderpornographie* kein vernünftiges Mittel sind, dann hat sich der Aufwand schon gelohnt.
Noch mal kurz zur Vorgeschichte: Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen plant, Internetseiten mit kinderpornographischen Inhalten auf eine Sperrliste zu setzen, die vom Bundeskriminalamt verwaltet und an die Internetprovider weitergegeben werden soll. Diese sollen dann die entsprechenden Websites auf eine Stoppseite des BKA umleiten, wo die versuchten Zugriffe entsprechend protokolliert werden sollen.
Ganz unbedarft kann man nun natürlich fragen, was denn daran schlecht sei. Etwas gegen Kindesmissbrauch zu tun, ist ja schließlich was gutes. Nur leider gilt auch hier mal wieder der feine Unterschied zwischen gut und gut gemeint, den ich im Folgenden noch mal Punkt für Punkt aufdröseln will.
Auch ich will natürlich noch mal betonen, dass Kindesmissbrauch – ob dokumentiert oder nicht – zu den widerwärtigsten Verbrechen gehört. Und ja, ich habe selbst ein Kind. Ich hoffe, es wird beim Lesen des Artikels klar, dass es auf keinen Fall darum geht, einen Freischein für die Verbreitung jeglicher Inhalte im Internet zu erstellen – das bringt uns direkt zu
- Das Internet ist schon jetzt kein rechtsfreier Raum. Die Gesetze, um KiPo tatsächlich aus dem Netz zu entfernen, gibt es längst. Dazu reicht in aller Regel ein Anruf beim Provider, der den Behörden dann auch gleich den Inhaber der Website mitteilen kann. Es gibt Untersuchungen, nach denen fast alle Websites, die solche Inhalte anbieten, in westlichen Rechtsstaaten beheimatet sind, die über entsprechende Gesetze verfügen.
- In dem Zusammenhang muss man sich fragen, wie wirksam DNS-Sperren da tatsächlich sind. Dieses Video erläutert ohne Fachchinesisch sehr gut, wie die geplanten Sperren funktionieren sollen. Um mal wieder den Telefonbuchvergleich zu bemühen: jeder ans Internet angeschlossene Rechner findet mit Hilfe eines sogenannten DNS Servers die Internetseiten, die der Benutzer aufrufen will. Im Prinzip also wie ein Telefonbuch, bei dem die entsprechenden Einträge dann also vom BKA geändert würden, so dass man bei ihm landet, statt bei den Kinderpornos. Dumm nur, dass man ohne großen Aufwand ein anderes Telefonbuch (=DNS Server) hernehmen kann. Oder man kennt vielleicht sogar schon die Telefonnummer (=IP-Adresse) und kommt so ohne Umwege ans Ziel. Mit einer solchen Strategie hält man also höchstens technisch sehr unbedarfte Perverslinge ab – und selbst die dürften mit wenigen Klicks eine Anleitung zum ändern des DNS-Servers googlen könnnen.
- Die ganze Aktion wird auf dem Rücken der Missbrauchsopfer ausgetragen, für die es wie ein Schlag ins Gesicht sein muss, dass die Öffentlichkeit anscheinend die Problematik lieber hinter Stoppschildern versteckt, als diese menschenverachtenden Inhalte wirklich aus dem Netz zu entfernen und die Hintermännern mit aller Macht zu verfolgen und zu bestrafen.
- Die Sperrlistenregelung soll über einen Vertrag des BKA mit den Providern realisiert werden. Somit wird die Trennung zwischen Judikative und Exekutive aufgehoben, da nicht geplant ist, einen Richter in den Prozess einzubeziehen, der über eine etwaige Sperrung zu entscheiden hätte. Das BKA legt also selbst fest, was gesperrt werden soll und führt die Sperrung durch Aufnahme in die Liste selbst durch.
- Da die Sperrliste geheim sein soll, gibt es auch keine Möglichkeit, eine Sperrung anzufechten. Man stelle sich zum Beispiel mal den nicht sehr unrealistischen Fall vor, dass es jemand schafft sich in mein Blog zu hacken und hier illegale Inhalte hochzuladen, die dann unter flashfonic.de zu finden wären. Ich würde auf der Liste landen und hätte keine Ahnung, warum. Selbst nach Entfernung der illegalen Inhalte gäbe es keine Stelle, an die ich mich wenden könnte, um meine Domain von der Liste streichen zu lassen.
- Was passiert, wenn ich böswillig auf eine Stoppschild-Seite gelenkt werde (Stichwort Rickrolling)? Oder, um auf das Beispiel aus 5. zurückzukommen – was passiert mit den ganz normalen Lesern meines Blogs, die plötzlich beim BKA erfasst werden, weil meine Domain gehackt wurde?
- Auch gerne übersehen wird, dass oft mehrere Domains unter einer IP-Adresse (“Telefonnummer”) erreichbar sind. Wird ein Stoppschild vor diese IP gestellt, sind alle Websites, die unter der IP erreichbar sind, hinter dem Stoppschild verschwunden. Würde also zufällig eine KiPo-Seite bei meinem Hoster unter der gleichen IP wie flashfonic.de liegen, wäre ich von einer Sperrung auch direkt betroffen. Kollateralschaden nennt man das wohl.
- Die ganze Initiative geht auf die kaum haltbare These zurück, es gebe eine Kinderpornoindustrie, die Millionen umsetzt. Diese Behauptung wird von vielen Seiten angezweifelt, zum Beispiel von Rechtsanwalt Udo Vetter. Es scheint das Gegenteil der Fall zu sein – die abscheulichen Videos und Fotos stammen zum allergrößten Teil aus dem privaten Umfeld und werden kostenlos getauscht. Die Industrie, die Frau von der Leyen trocken legen will, existiert schlicht nicht.
- Diese haltlosen Behauptungen sind aber noch harmlos gegen die unglaubliche Diffamierung, die die Bundesfamilienministerin im Interview mit Radio Eins von sich gegeben hat: Ganze 20% der Internetuser in Deutschland sind in ihren Augen “zum Teil schwer Pädokriminelle”: Kleine Rechenhilfe: Geht man davon aus, dass in Deutschland nur jeder zweite im Internet unterwegs ist, wären das stolze 10 Millionen Perverse, die nur so nach Kinderpornos lechzen. Eine unglaubliche Frechheit.
Bleibt also die Frage, warum das alles? Entsprechende Gesetze gibt es schon, die geplanten Sperren dürften weitgehend wirkungslos sein. Leider liegt der Verdacht sehr nahe, dass hier über ein Thema, zu dem ja irgendwie keiner nein sagen kann, die Infrastruktur – und natürlich öffentliche Akzeptanz – für ein zensiertes Internet geschaffen werden soll:
Diese beiden Punkte sprechen doch schon sehr die Sprache willkürlicher und intransparenter Zensur. Sicher muss man bei einem ernsten Thema wie Kinderpornographie zwischen dem Recht auf freie Information und den nötigen Instrumenten für die Strafverfolgung abwägen. Aufgrund der Unzulänglichkeiten bei den geplanten Maßnahmen (siehe 1. und 2.) kann dieses Argument hier aber kaum gelten. Die geplanten Maßnahmen haben auch schon Begehrlichkeiten beim Bundesverband Musikindustrie geweckt, der natürlich Filesharing-Seiten direkt als nächstes gesperrt wissen möchte. Spätestens hier muss man sich fragen, wessen Recht da stärker ist.
Dass es bei der geplanten Umsetzung – neben der leichten Umgehbarkeit der Sperren – noch auch einige weitere technische Probleme gibt, fällt bei der Diskussion leider auch immer wieder unter den Tisch:
Als wäre das alles nicht Halbgar genug, ist auch noch die Argumentation der Bundesfamilienministerin – der ihr Vorstoß schon den Namen Zensursula eingebracht hat – zumindest fragwürdig, in anderen Aussagen eine schlichte Frechheit:
Eine lange Liste an guten Gründen also, sich gegen diese Entwicklungen zu wehren und Frau von der Leyen die Grenzen aufzuzeigen. Es kann nicht sein, dass in Deutschland Kindesmissbrauch hinter schludrig umgesetzten Stoppschildseiten versteckt wird, statt die Behörden so auszurichten und finanziell so auszustatten, dass eine wirkliche Löschung und Verfolgung der Straftaten stattfindet. Darüber hinaus gilt es natürlich auch, sich für ein zensurfreies Internet einzusetzen, in dem zwar illegale Inhalte mit den Mitteln des Rechtsstaates gelöscht (!) und deren Urheber verfolgt werden, sonst aber “freies Geleit” gilt. Um in diesen beiden Punkten Druck zu machen, möchte ich hier noch mal auf die entsprechende Petition hinweisen. Die Schwelle von 50.000 Mitzeichnern wurde schon nach wenigen Tagen geknackt, die Initiatorin Franziska Heine muss nun im Petitionsauschuss des Bundestages angehört werden. Mittlerweile steuert die Petition auf die 100.000 Mitzeichner zu. Nehmt euch die drei Minuten Zeit und zeichnet die Petition mit – mittlerweile sind ja auch in den Mainstreammedien einige gute Artikel zu dem Thema erschienen, das gilt es noch mal zu forcieren:
» zum Mitzeichnen
* Eigentlich ist der Begriff Kinderpornographie schon sehr irreführend. Von Pornos kann man ja halten, was man will – aber die Mitwirkenden spielen da in aller Regel freiwillig mit. Das ist hier ja auf keinen Fall gegeben, es wäre also korrekter, von der Dokumentation von Kindesmissbrauch zu sprechen. Der Lesbarkeit halber belasse ich es hier aber auch mal bei KiPo. [zurück nach oben]
Should you forward that email?
Der nächste, der mir mit was lustigem – am besten noch als Powerpoint-Datei – die Mailbox zumüllt, kriegt das hier als Antwort.
[via]
Liebe Vermieter

Ganz schön, aber zentral ist was anderes… CC-Pampa von Bastian Greshake.
Wenn ihr in einer Münsteraner Zeitung ein Wohnungsgesuch seht, und da steht etwas von zentral – dann braucht ihr nicht anrufen, wenn ihr Wohnungen in Hiltrup, Roxel oder Ostbevern (!) zu vermieten habt. Danke.
Strahlende Neuigkeiten

CC-Powerplant von Kris Taeleman
Kleiner Nachtrag: Atomenergie ist nicht nur sicher, sie ist natürlich auch unerschöpflich.
Get real.
Wie Sie sehen…
…sehen Sie nix. Der Muxtape-Crash hat leider auch mein Aprilcharts-Muxtape gefressen. Mist. Werde das in den nächsten Tagen wohl nach und nach wieder hochladen, denke ich.
[Update] Fluppt wieder. Ging schneller, als gedacht.




































